1996: Das Ehepaar Breus

Ursprünglich hiess der Verlag Bezirk und Gau-Gesangsvereine des Kantons Zürich. (Was für eine monströse Bezeichnung!) Da war noch Walter Iten, der den Verlag führte, vor allem, damit er da seine Kompositionen verlegen konnte. Er lebte von 1900 - 1962.

Dann übernahm das Musiker Ehepaar Walter (1898-1979) und Ida Meier-Fiechter in Winterthur den Verlag.  Ida Meier-Fiechter führte den Verlag nach dem Tod ihres Ehemanns bis zu ihrem Ableben 1992. Als sie starb, war der damalige Kantonal-Gesansverein Präsident Ernst Brütsch ratlos, was jetzt mit dem Verlag geschehen soll. Ihm fiel ein Stein vom Herzen, als wir uns meldeten.

Erwin besuchte ab 1970 in Winterthur Dirigentenkurse, die von Walter Meier-Fiechter im Namen des ZKGV organisiert wurden. Dadurch waren wir auch im Kantonalverband bekannt. Und weil wir Chöre leiteten und mit dem Computer Noten rein schrieben, hatten wir die besten Voraussetzungen, den Verlag weiter zu führen. Und wir haben ihn gleich in "Zürcher Chorliederverlag" umgetauft.

Wir zügelten alles Notenmaterial von Winterthur nach Schwerzenbach. Dort fing die grosse Arbeit erst an! Zuallererst mussten unzählige Kuverts mit Noteninhalt geöffnet werden. Dann nach Chorgattung und nach Komponisten sortiert werden. Viele Noten waren in so schlechtem Zustand, dass sie entsorgt werden mussten.
Die Noten lagen noch in grossen Haufen auf dem Tisch, als ich schon die erste Bestellung erhielt: Klavierpartitur "Trinklied" von Schubert. Ich hatte noch keine grosse Ahnung von unserem Notenschatz, griff aber beherzt in die Beigen und zog das Gewünschte heraus! Ein Glückstreffer!

Wir mussten herausfinden, wo und wie in welchen Verlagen Noten bestellt werden konnten. Wir konnten nicht auf Vorgänger zurück greifen, wir mussten alles selbst erarbeiten. Wir wurden, wie man so sagt, ins kalte Wasser geworfen.

Damit wir andere Verlage und deren Mitarbeiter kennen lernen konnten, besuchten wir 1993 die Musikmesse in Frankfurt. Wir machten dadurch viele Bekanntschaften, vor allem mit Deutschen Verlegern aber auch mit Schweizerischen.  

In erster Linie haben wir den Verlag übernommen, um den Chören zu dienen. Wir haben Herzblut investiert, damit die Sänger anständige Noten in die Hände bekamen. Wir haben Auswahlordner erstellt nach verschiedenen Themen geordnet, um die Lieder einfacher zu finden.

[Quelle: Hedi Breus, 2016]