1981: Die grosse Krise

Am 10.12.1981 wurde Roger Torriani vom Vorstand des ZKGV damit beauftragt, den Chorliederverlag zu analysieren. Sein Bericht, der die Abklärungen mit dem Verlag "Musik Hug" berücksichtigt, könnte nicht niederschmetternder sein.

Antrag

Am Ende seiner Analyse beantragt er zu Handen des Vorstands des ZKGV, den Verlag NICHT zu verkaufen.

«Antrag: Eingedenk der Tatsache

- dass die Zeiten zum Verkauf eines Chorliederverlags heute denkbar schlecht sind
- dass demzufolge der einmalige Erlös verglichen mit der Weiterführung in eigener Regie und den damit verbundenen Einnahmen schon nur für die nächsten 2-3 Jahre äusserst gering ist
- dass wir mit dem Verkauf ein wichtiges Instrument zur Förderung des Chorgesangs in unserem Verband aus der Hand geben würden
- dass wir uns in keiner Notlage befinden und nicht unter Verkaufsdruck stehen
- dass gelegentlich mit Reprographie-Einnahmen (*) gerechnet werden kann
- dass es vom menschlichen Standpunkt aus gesehen nicht gerade nett wäre, nach jahrzehntelangem Einsatz von Ida Meier nun gegen ihren Willen, ohne zwignenden Grund und zu einem Preis, der sich fast wie eine Trinkgeld ausnimmt, unseren Verlag zu verkaufen
- dass die Kontinuität hoffentlich noch für einige Zeit gewährleistet ist
beantrage ich, den ZGKV-Chorverlag nicht zu verkaufen.»

(*) Reprographie-Entschädigung = Urheberrechts-Entschädigung von der SUISA

Diesem idiologisch gefärbten Antrag steht eine krass anders gelegene Darstellung von G. Merki vom Verlag Gebrüder Hug gegenüber, der die Frage nach einem Kauf des Chorverlags nach wirtschafltichen Kritiereien beurteilt.

Verkaufszahlen

Herr Merki hat sich erlaubt, vom Gesamtumsatzes den Anteil zu schätzen, den die selbst verlegten Lieder ausmachen. Dazu hat er die Verkausstatistik des Verlags ausgewertet:

Verkaufszahlen2

[verkaufte Liedblätter 1979-1981, sortiert nach Chorgattung]

Er schätzt für 1981 einen Brutto-Ertrag von 2'400.-- Fr., resp. einen Brutto-Gewinn von 1'600.-- Fr. und rechnet nach, dass damit kaum die Lagerkosten (25-30 m2) von ca. 1'500.-- gedeckt wären. Er zieht den Schluss:

«Unseres Erachtens lässt sich deshalb mit den heute wahrscheinlich sehr grossen und alten Beständen keinen Gewinn erwirtschaften. […] In Anbetracht der für uns jedoch sinnvollen Titelerweiterung […] wären wir bereit, über einen Uebernahmepreis zwischen Fr. 2000.-- und Fr. 5000.-- zu verhandeln.»

1982 04 26 Musik Hug2 1982 05 02 Verkauf 

 Analyse und Angebot von G. Merki vom 26.4.1982

 Bericht und Antrag von Roger Torriani zuhanden des Vorstands vom 2.5.1982

(Download des Berichtes als PDF Datei mit Doppelklick)

Ladenhüter und Altpapier

Roger Torriani gibt die Kritik von G. Merki pointiert mit folgenden Worten weiter:

«Schon in den Vorverhandlungen […] wurde sofort klar, dass keine echte Kauflust bestand. Es wurde mir unter anderem bedeutet, dass unser eigener Verlag fast ausschliesslich aus Ladenhütern bestehe […]»

Roger Torriani hat die Aufführungsmeldungen der SUISA ebenfalls mitberücksichtigt und hochgerechnet:

«Das Verlagsprogramm macht also rund 330 Titel aus. Davon werden zur Zeit knapp 20% aufgeführt oder gesendet. Die Verkäufe beliefen sich 1979 auf 65 Titel, 1980 auf 53 (-18.5%) und 1981 auf 43 (-34%). […] so zeigt dies, dass man nur etwa 10 Titel, also 3%, als "Hits" bezeichnen kann. […] die übrigen 265-287 Titel, also 80-90%, die sozusagen überhaupt nie verkauft werden, wären bei einem auf Rendite bedachten Verlag längst als Altpapier fortgeworfen worden.»

Der Bericht deckt ebenso gnadenlos auf, dass vom Gesamtumsatz von 19246.05 Fr. im Jahr 1981 nur  11% (2168.35 Fr.) mit den selbst verlegten Liedern verdient wird, der weit grössere Anteil durch Handel.

«Als Schlussfolgerung drängt sich hier auf, dass die hauptsächliche Tätigkeit unserer Verlagsleiterin [Ida Meier-Fiechter] im Vermitteln fremder Musikalien liegt und nur in einem geringen Ausmass im Bereiche des ZKGV-Verlags.»

Trotz des schlechten Zustand des Verlags, des überalterten Liedgutes und der unrentablen Rechnung wird der Verlag vom ZKGV ohne Verbesserungsmassnahmen bis zum Tod von Ida Meier-Fiechter am 11.10.1992 weitergeführt.

[Quelle: Archiv des ZKGV]