1950: Walter Iten räumt auf

Mit Walter Iten (1900-1962) übernimmt im Jahr 1949 ein Verlagsleiter das Zepter. Der Verband und der Verlag trennen sich organisatorisch. Walter Iten baut kaufmännische Strukturen auf, er liefert regelmässige Jahresberichte an den Verbandsvorstand ab und er baut das Verlagsprogramm systematisch aus.

Ab 1950 führt der Verlag eine eigene Buchhaltung, liefert dem Verbandsvorstand jedes Jahr eine Erfolgsrechnung und eine Verkaufsstatistik ab, und der Ausgleich von Gewinn oder Verlust mit der Verbandskasse wird geregelt.

Die Auswahl von Liedern für das Verlagsprogramm werden nur noch mit der Musikkommission (MK), aber nicht mehr mit dem ganzen Vorstand verhandelt.

Mustergültige Verträge

Mit allen Komponisten werden korrekte und dem damaligen Stand des Urheberrechts entsprechend mustergültige Verlagsverträge abgeschlossen. Die Titelverträge bezeichnen

  • Titel des Liedes
  • Besetzung
  • Mitautoren
  • Verbreitung
  • die an den Verlag abgetretenen Rechte
  • die Entschädigung

Vertrag Die alte Schmiede

Beispiel des Titelvertrag mit Hans Ehrismann für das Lied «Die alte Schmiede», komponiert von seinem Vater Hanns Ehrismann (1888-1951)

(Download des Vertrag als PDF Datei mit Doppelklick)

Die alte Schmiede

Die erste Seite des Liedes «Die alte Schmiede», Format 17x27 cm

(Download der Probepartitur als PDF Datei mit Doppelklick)

Bericht des Musikalienverwalters

Walter Iten hat seine Analyse des IST-Zustand in einem Bericht zusammengefasst. Es scheint ein sich wiederholendes Muster des Verlags zu sein, dass ein neuer Musikalienverwalter oder Verlagsleiter einen unstrukturierten chaotischen Haufen Papier übernimmt, den er zuerst ordnen muss. Es existiert kein Katalog, keine Lagerbestandsliste, keine aktuelle Abrechnungen, aber offene Bestellungen.

«Leider hinterliess mein Vorgänger im Amt [Otto Schaufelberger] ausser eines kleinen Fakturenbüchleins keine Notizen über die Verlagsgeschäfte und kein Verzeichnis der vorrätigen Musikalien.»

Konsumentenvertreter statt Verlag

Spannend ist die Diskussion über die "Rabattierung". Damit ist der handelsübliche Verlags-, Händler- und Wiederverkäufer-Rabatt gemeint, den sich Verlage gegenseitig gewähren. Mehrere Verlage, darunter Hug in Zürich, Hans Willi in Cham, SAS (*) in Bern, Symphonia-Verlag in Basel und die Zürcher L.B.A. gewährten einen Rabatt von 10%, anstatt der damals üblichen 33.3%.

Auf Seite 3 des Berichtes wird eine Statutenänderung des Musikalienhändler-Verbandes erwähnt, worin die Rabatte für die Mitglieder einheitlich geregelt werden. Der Rabatt für "Konsumentenvertreter" wird von 10% auf 5% reduziert.

«Bereits teilte mir der Pelikanverlag mit,man dürfe uns auf Anweisung von Bern bis Ende Oktober nur noch 25% und nachher nur noch 5% gewähren. […] Aus der oben erwähnten Zusammenstellung ersehen Sie,dass wir durch diese Statutenänderung im Lebensnerv getroffen sind.»

Das der "B.G. Zürich" als "Kosumentenvertreter" eingestuft wurde, zeigt, dass andere Verlage und der Muskalienhändler-Verband den "B.G. Zürich" nicht ernst nahmen, bzw. nicht als gleichberechtigten Musikalienverlag anerkannten.

Verkaufszahlen

Im Bericht werden die Umsatzzahlen des Vorjahres aufgelistet. Die Verkaufszahlen zeigen, dass von 7459.36 Fr. Brutto-Umsatz nur 629.30 Fr. mit dem Eigenverlag erwirtschaftet wurden. Das sind bescheidene 8.5%. Der Umsatz mit Noten von Hug (Verlag Gebrüder Hug) macht 35% des Umsatzes aus.

Verkaufszahlen

 

(*) SAS : Schweizerischer Arbeitersänger-Verband (1917-2001)

[Quelle: Bericht des Musikalienverwalters der B G.-Zürich 23. September 1950. Archiv des ZKGV]